Bin

Im Allgemeinen achteten die Kellarite darauf, daß die Bonds mit den Welten, auf denen sie angesiedelte wurden, pfleglich umgingen. Immerhin war die Anzahl bewohnbarer Klasse M Welten nicht unbegrenzt und es bedeutete einen nicht unerheblichen Aufwand, ein ganzes Volk auf einen neuen Planeten zu transferieren und dort einzusetzen.

Aber entweder war dies nicht immer so, oder die Kellarite, in ihrer undurchschaubaren, enigmatischen Logik, machte hierbei bisweilen Ausnahmen. Die wohl bekannteste und folgenreichste ist der Planet Bin.

Ursprünglich war Bin eine echte Gartenwelt, knapp 1G Oberflächenschwerkraft, durchschnittlich 18°C und 60% Wasser an der Oberfläche. So gut wie hier waren die Umstände nicht sehr oft und jede M-Klasse Lebensform wäre glücklich gewesen, hier zu leben.

Die von den Kellarite hier angesiedelten Hominis waren sehr fleißig und strebsam, jedoch leider auch ziemlich industriell orientiert. Das Volk stammte auch von einer Klasse M-Welt und hatte eine weit entwickelte Industrie. In ihrer Heimat lagen sie ständig miteinander im Krieg, was ihre Aufbaubemühungen natürlich bremste. In ihrer neuen Heimat wurden sie von den Kellarite zum Frieden gezwungen - auch dadurch, daß nur zwei Parteien auf den Planeten angesiedelt wurden.

Bar jeder einschränkenden Wirkung begann die Industrie auf beiden Parteien einen beispiellosen Wildwuchs. Wenn nicht mit Waffen, so wollten die Bineren wenigstens auf diesem Gebiet konkurieren. Sie durchwühlten hemmungslos den Planeten nach Resourcen, bauten Fabriken und Raffinerien. Die Natur kollabierte schon bald, was die Bineren jedoch nicht zum Einhalt bewegen konnte. Sie machten immer weiter, bauten und gruben und pumpen Gifte in den Boden und die Ozeane

Heute leben auf Bin nur noch wenige einheimische Wesen, die sich an die herrschenden Bedingungen angepaßt haben. In der giftigen, überhitzten Hölle entarteter Gewächse, die sich aus trüben Dunstschwaden erheben, leben einige der zähesten, widerstandsfähigsten und gefährlichsten Monster der Galaxis - nicht zuletzt die Bineren selbst.

Durch die erbarmungslose Härte ihrer Umgebung sind sie zu skrupellosen und zähen Überlebenskämpfer geworden, die selbst auf die engste Verwandschaft kaum Rücksicht nehmen würden. Das Gebot der Umwelt machte sie überdies zu Konstrukteuren der unbestritten besten Umweltpanzer und Schutzanzügen der Galaxis.

Wären sie nicht so sehr auf ihren Planeten und dem ewigen Wettkampf der planetaren Konzerne fixiert, stünde ihnen wohl eine sorglose Zukunft als Ingeneure und Söldner offen. Diejenigen Bineren, die ihre Welt tatsächlich verlassen, sind zumeist Ausgestoßene, denen sonst keine Alternative bleibt. Obwohl sie als technisch versierte, skrupellose Söldner begehrt sind, pflegen sie meist eine melancholische Stimmung des Selbstmitleids.

Bin besaß einen überreichen Schatz an Metallen in seiner Kruste, ein großer Teil davon ist jedoch bereits verbraucht worden. Die Minen führen jetzt tief unter die Erde und werden nicht selten von jenen Kreaturen heimgesucht, die sich auch unter die Erde geflüchtet haben. Bei durchschnittlich 84°C an der Oberfläche kann man ihnen das kaum verdenken.

Bins Atmosphäre ist mit Abgasen, giftigen Dämpfen und korosiven Chemikalien geschwängert. Ohne gute Schutzkleidung wäre ein Mensch in Minuten bis auf die Knochen aufgelöst.

Außer den wilden, zähen Bestien und die Technik der Bineren gibt es auf Bin allerdings nichts spannendes.